Historische Opferschalen an Grabkapelle zerstört
ROTENBERG: Vier tonnenschwere Kunstwerke aus dem Jahr 1824 vom Sockel gestoßen - „Von unschätzbarem Wert“
„Ich habe gedacht, das gibt es überhaupt nicht“, steht Verwalterin Doris Grau fassungslos vor den Scherben der Kunstwerke. Auf dem Kopf liegen die tonnenschweren Opferschalen am Fuß der Treppe. Einzelne Bruchstücke der gusseisernen Kunstwerke liegen verstreut im Kies. „Ich habe direkt eine Gänsehaut“, zeigt sich eine ältere Besucherin entsetzt. Auch ihre Begleitung, ein älteres Ehepaar aus St. Petersburg, schüttelt entsetzt mit dem Kopf. Immer wieder treffen sich vor allem jüngere Leute nachts auf dem Württemberg. Zu kleineren Schäden sei es dabei auch einmal gekommen. „Eine solch mutwillige Zerstörung hat es aber noch nie gegeben“, weiß Grau. Vielmehr finde man meist nach den nächtlichen Gelagen leere Flaschen, Zigarettenstummel und anderen Müll. Nicht so gestern früh. „Es war alles komplett weggeräumt“, ist Grau überrascht. Wohl um keine Spuren für die Polizei zu hinterlassen. Fingerabdrücke wurden keine sichergestellt. Auch von lauter Musik und grölenden Gruppen hat sie nichts mitbekommen. „Es war alles ruhig“, erklärt Grau. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Die Vermutung liege aber nahe, dass es sich um eine gezielte Tat gehandelt hat. „Das war sicher bewusst gemacht“.
Schließlich wiegt jedes der vier gusseisernen Kunstwerke etliche hundert Kilo. „Es ist für uns unerklärlich, wie das passieren konnte“, weiß Ilse Lange-Tiedje, die Leiterin des zuständigen Amtes für Vermögen und Bau Baden-Württemberg in Stuttgart. Seit der Fertigstellung der Grabkapelle 1824 begrüßen die Opferschalen die Besucher. Sie dienen als Zierde und als Feuerstelle an besonderen Festtagen. „Sie haben mehrere Kriege, darunter beide Weltkriege unbeschadet überstanden“, weiß Lange-Tiedje.
Wie die Schalen wieder hergestellt werden können ist bislang nicht geklärt. „Schweißen ist bei Gusseisen nicht möglich“, erklärt Lange-Tiedje. Ein fachmännisches Zusammenfügen sei denkbar, aber am wahrscheinlichsten sei es, die Schalen, jede zentnerschwer, nachgießen zu lassen. „Das ist aber auch die teuerste Variante“, sagt Lange-Tiedje.
Viel schwerer als der materielle wiegt aber der ideelle Schaden. Die Kunstwerke stammen aus den heutigen Schwäbischen Hüttenwerken in Wasseralfingen. Ob eine Gussform heute überhaupt noch existiert und wie man sie so originalgetreu wie möglich wieder herstellen kann, soll nun in Absprache mit dem Denkmalamt geklärt werden. „Wir werden versuchen, die Opferschalen schnellstmöglich wieder aufzustellen“, verspricht die Amtsleiterin. Das kann sich indes über Monate hinziehen. Was bleibt ist, dass die Originale unwiederbringbar zerstört sind. „Es ist ein unschätzbarer Wert verloren gegangen“.
Wer im Umfeld der Grabkapelle verdächtige Personen oder Auffälligkeiten bemerkt hat, wird gebeten, sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 8990-4530 zu melden.



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