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Wie Urgroßvater Carl Benz das Auto erfand

BAD CANNSTATT: Im Mercedes-Benz-Museum erzählte Jutta Benz vom Lebenswerk ihres berühmten Vorfahren

  Jutta Benz vor dem Benz-Patent-Motorwagen von 1886, mit dem ihr Urgroßvater Carl Benz die automobile Ära einläutete.Foto: Schütze
 

Jutta Benz vor dem Benz-Patent-Motorwagen von 1886, mit dem ihr Urgroßvater Carl Benz die automobile Ära einläutete. Foto: Schütze

 

Jutta Benz ist das letzte lebende Mitglied der Ahnenreihe von Carl Benz, dem Erfinder des ersten Automobils. Am Samstag war sie zu Gast im Kinderclub des Mercedes-Benz-Museums und erzählte von dem ereignisreichen Leben ihres berühmten Urgroßvaters und den Anfängen der Automobilgeschichte.

Von Jan-Philipp Schütze

Diese seien alles andere als einfach gewesen, erzählte Jutta Benz den zahlreichen kleinen Zuhörern. Viele Hindernisse musste ihr Urgroßvater Carl überwinden, ehe er im Jahr 1886 seinen knatternden und tuckernden dreirädrigen Motorwagen zum Patent anmelden konnte. Mühsam sei die Fortbewegung bis dahin gewesen, so Benz. Der Autopionier selbst kam noch kräftig strampelnd mit dem Fahrrad nach Mannheim, wo er sich fortan der Entwicklung eines kraftvollen Verbrennungsmotors widmen sollte. Mit diesem wollte er ein Gefährt konstruieren, das sich ohne Muskelkraft fortbewegt und flexibel gesteuert werden kann. Forschung und Entwicklung waren schon damals eine teure Angelegenheit und ohne die Hilfe seiner Verlobten und späteren Ehefrau Bertha Benz, geborene Ringer, die sich von ihren Eltern die Mitgift frühzeitig auszahlen lies, wäre es wohl nichts geworden mit dem Traum vom ersten fahrtüchtigen Automobil. Doch die automobile Revolution stieß zunächst auch auf Vorbehalte. „Mein Ur-Opa durfte nicht fahren“, erzählte Benz, „weil der Motorwagen schneller war als eine Pferdekutsche. Zudem war er furchtbar laut, hat gestunken und er hätte ja jemanden damit überfahren können.“ Also fasste sich seine Ehefrau Bertha ein Herz, schnappte sich ihre Söhne Richard und Eugen und fuhr heimlich mit ihnen von Mannheim nach Pforzheim. Kein leichtes Unterfangen, doch die wagemutige Fahrt glückte und die drei gingen als erste Autofahrer einer Langstrecke in die Geschichte ein.Stolz, so Benz, sei sie auf beide Urgroßeltern gleichermaßen. Einen besonderen Bezug habe sie aber zu Bertha, schließlich habe die sich in einer von Männern dominierten Welt durchgesetzt. Persönlich kennen gelernt hat die 67-Jährige ihren Urgroßvater nicht, er starb 1929. Das Lebenswerk des Autopioniers kennt sie aus den Erzählungen ihres Großvaters Eugen, in dessen Wohnhaus in Ladenburg sie aufwuchs und der das Erbe des Vaters weiterführte. Sie selbst hingegen hat erst spät Bezug genommen zur Familienhistorie, auch wenn ihr Nachname bereits zu Schulzeiten für Aufsehen sorgte. Ob es stimme, dass sie aus dem Hause Benz sei, wurde sie von einem Mitschüler gefragt. „Ja, mein Urgroßvater ist Carl Benz“, sagte sie und bekam postwendend die spöttische Antwort: „Und meiner ist der Kaiser von China.“ Auch heute noch habe der Name Benz eine „gewisse Aura“ um sich. Von ihrem Vater, der 1999 verstarb, habe sie dann „das Vermächtnis übernommen, mich um den Namen Benz zu kümmern, damit dieser nicht in Vergessenheit gerät“, sagt sie. Seitdem spricht die ehemalige Lehrerin bei verschiedenen Veranstaltungen über ihre Familie und erzählt von der historischen Geburtsstunde des Automobils.

 

Artikel vom 06.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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