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Diebe machen keine Ferien

Im vergangenen Jahr wurden 651 Einbrüche in der Landeshauptstadt verübt - Haupteinbruchszeit liegt eher in der dunklen Jahreszeit

  Ein Einbrecher auf der Flucht. Nun muss die Polizei ermitteln, was im Haus gestohlen wurde.  Foto: dpa
 

Ein Einbrecher auf der Flucht. Nun muss die Polizei ermitteln, was im Haus gestohlen wurde. Foto: dpa

 

Stuttgart - Vor wenigen Tagen sind im Stuttgarter Osten Einbrecher in ein Einfamilienhaus eingestiegen und haben Uhren im Wert von etwa einer Million Euro gestohlen. Ferienzeit ist Einbruchszeit - sollte man meinen. Aber eigentlich liegt die Haupteinbruchszeit eher in der dunklen Jahreszeit.

Von Yvonne Weirauch

Der Urlaub in der Karibik war einfach traumhaft. Tagelang Sonne satt, Strand und Faulenzen pur. Kaum nach Hause zurückgekehrt, meldet sich die Realität mitunter doch sehr ruppig wieder zurück: Die Wohnung sieht wie ein Schlachtfeld aus. Einbrecher haben während der Abwesenheit des Wohnungsinhabers die Gunst der Stunde oder besser gesagt der Wochen genutzt, um sich ungehemmt am fremden Eigentum zu bedienen. „Auch wenn die Einbruchszahlen in den Ferien leicht erhöht sind, liegt die Haupteinbruchszeit in der dunklen Jahreszeit - also zwischen Oktober und März“, sagt Kriminalhauptkommissar Joachim Zahn, der Fälle von Wohnungseinbrüchen bearbeitet. Spektakulär seien dieser Einbruch in das Einfamilienhaus und der Diebstahl der wertvollen Uhren schon, sagt Zahn. „Solche Diebstähle mit einem so hohen Wert gehören zu den seltenen Fällen.“ Die Zahlen der Wohnungseinbrüche bewegen sich zwischen 500 und 750 Einbrüchen im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden 641 Wohnungseinbrüche in Stuttgart verzeichnet. Die Aufklärungsquote im Bereich des Wohnungseinbruches ist exakt mit dem Wert des 10-Jahresdurchschnittes von 13,4 Prozent identisch. Bundesweit werde jeder fünfte Einbruch aufgeklärt, so Zahn. „In diesem Jahr liegt die Zahl schon bei rund 300“, schätzt der Polizist. Meist ist ein Wohnungseinbruch mit einem Diebstahl verbunden. Bezogen auf das „Tatobjekt Wohnraum“, wie es in der Polizeisprache heißt, sind im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr die Diebstahlsstraftaten um 3,7 Prozent (von 961 auf 925 Fälle) zurückgegangen. Von den 925 erfassten Straftaten wurden 641 Fälle (2008: 581 Fälle) dem schweren Diebstahl zugeordnet. 303 Fälle, also 47,3 Prozent der Gesamtfälle in diesem Bereich können dem Tageswohnungseinbruch zugerechnet werden. Nach einer geführten Statistik bewegten sich die Fallaufkommen im Jahr 2007 und 2008 auf annähernd gleichem Niveau (2007: 528 Fälle und 2008: 517 Fälle). Im ersten Halbjahr 2009 hatten sich nur 150 Wohnungseinbrüche ereignet. Im zweiten Halbjahr 2009 stiegen die Einbrüche jedoch stark an. Es wurden 391 Einbrüche in der zweiten Jahreshälfte registriert, im gleichen Zeitraum 2008 waren es lediglich 267 Einbrüche.Wenn die Ermittler nach einem Wohnungseinbruch vor der Tür stehen, bleibt den Beamten nur noch, die hinterlassenen Spuren zu sichern. „Die Schutzpolizei nimmt den Vorgang auf und informiert die Kollegen, die den Tatort aufsuchen. Dann beginnt die Schadensermittlung“, erklärt Zahn. Oft müsse man ein zweites Mal zu den Betroffenen fahren, da diese nach dem Einbruch meist gar nicht in der Lage seien, genaue Angaben über das Gestohlene zu machen. „Dann werden Spuren zusammengetragen“ - eine der Hauptaufgaben von Joachim Zahn. Der Beamte und seine Kollegen sind aber darauf bedacht, zu handeln, bevor der Einbrecher am Werk ist. „Wir versuchen mit Broschüren und auf Informationsveranstaltungen Tipps zu geben, wie man sein Haus oder seine Wohnung besser sichern kann“, sagt Zahn. Ganz wichtig sei: „Wenn man das Haus verlässt, Fenster nicht gekippt lassen - das ist wie eine Einladung. Und die Tür nicht nur zuziehen, sondern abschließen.“ Da habe es der Einbrecher schon mal schwerer. „Wenn er merkt, dass es zu lange dauert, lässt er es bleiben. Einbrecher suchen sich den einfachsten Weg“, sagt Zahn.Und der führt manchmal sogar durch die Garage. „Wenn es durch die Garage einen Zugang zum Wohnraum gibt, und die Bewohner schließen beispielsweise das Garagentor nicht, dann kann es ein Einbrecher wohl nicht leichter haben.“ Was die wenigsten wissen: Entgegen dem Klischee vom „nächtlichen Besucher“ werden weit über ein Drittel der Wohnungseinbrüche tagsüber begangen. Tatsächlich dürfte die Zahl sogar noch weit höher sein, da bei Wohnungseinbrüchen zum Beispiel während der Urlaubsabwesenheit der Wohnungsinhaber die exakte Tatzeit im Nachhinein meist nicht rekonstruierbar ist. Dass man sich davor schützen kann, zeigt die Erfahrung der Polizei. Über ein Drittel der Einbrüche bleibt im Versuchsstadium stecken, nicht zuletzt wegen sicherungstechnischer Einrichtungen.

Schwachstellen am Haus

„Wertsachen, die offen in der Wohnung oder im Hause herumliegen, locken Einbrecher an. Dem kann man vorbeugen, indem man sich überlegt, ob man diese Wertsachen nicht eher im Safe oder in einer Bank aufbewahrt“, rät Zahn. Wer sich darüber informieren will, wo Schwachstellen an seinem Haus oder in seiner Wohnung sind, kann dies bei der polizeilichen Beratungsstelle tun. „Wir versuchen individuell zu beraten und zeigen auf, wo der Einbrecher im Einzelfall leichtes Spiel hätte. Diese Beratung ist kostenlos.“

Aber die Polizei kommt nicht nur ins Haus, man hat auch die Möglichkeit, die Fachberater anzusprechen, wenn sie mit ihrem Info-Bus unterwegs sind. In der Ausstellung im großen Informationsfahrzeug des Landeskriminalamts können sich Bürgerinnen und Bürger nämlich über geeignete Sicherungseinrichtungen informieren und individuell beraten lassen.

Das Informationsfahrzeug des Landeskriminalamtes ist beispielsweise am 15. September zwischen 10 und 18 Uhr im Stadtteil Sommerrain (Sommerrainstraße / Bahnhof); am 28. September zwischen 10 und 18 Uhr in Plieningen (Filderhauptstraße 155); am 6. Oktober zwischen 10 und 18 Uhr in Weilimdorf (Löwen-Markt); am 20. Oktober zwischen 10 und 18 Uhr in Vaihingen (Rathausplatz 1) und am 21. Oktober zwischen 10 und 18 Uhr in Münster (Burgholzstraße, Bereich Edeka).

 

Artikel vom 03.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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