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Schädlichen Keimen auf der Spur

OBERTüRKHEIM: Gesundheitsamt überprüft mit aufwendigem Verfahren das Trinkwasser in Kindertagesstätten

 
 
 
„Manchmal ist es gar nicht so einfach, die richtige Entnahmestelle zu finden“, weiß Gesundheitsingenieur Andreas Schmied. Der Wasserhahn für die Proben sollte vom zentralen Hausanschluss möglichst weit weg sein. Mit einem aufwendigen Verfahren überprüft der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Wasserqualität in den Kindertagesstätten in Stuttgart. Grundsätzlich seien nur selten Mängel festzustellen.

Von Alexander Müller

Während am frühen Morgen die Kinder in der Einrichtung in der Heidelbeerstraße in Obertürkheim noch eintrudeln, ist auch Schmied schon vor Ort. Nach einer kurzen Absprache mit der Leitung findet sich ein geeigneter Anschluss in der Waschküche der Einrichtung. Das Problem: „Der Wasserhahn darf anschließend vier Stunden nicht mehr genutzt werden“, erklärt Schmied. Zunächst einmal lässt er das Wasser laufen. Mit einem digitalen Thermometer wird die Temperatur gemessen. Erst, wenn sich eine konstante Gradzahl ergibt, kann die erste Probe genommen werden. „Dann ist gewährleistet, dass frisches Wasser aus dem Hahn kommt, die Hausleitungen durchgespült sind“, sagt Schmied. Ein Liter füllt er in eine große Plastikflasche ab, zudem noch ein wenig Wasser in eine kleines Einweggefäß. Die große Probe ist nachher für die Nitrituntersuchung, die kleinere für die Schwermetalle.

Getestet wird das Wasser auf Eisen, Kupfer, Nickel, Blei, Cadmium, Arsen, Antimon und Nitrit. Nachdem die Proben säuberlich beschriftet sind, wird noch ein Hinweisschild am Wasserhahn angebracht, dass dieser in den kommenden vier Stunden bis zur nächsten Probe nicht genutzt werden darf. „Das ist wichtig, schließlich wollen wir mit der zweiten Probe, das ‚Stagnationswasser‘ testen“, erklärt Schmied. Damit ist das Wasser gemeint, das sich für längere Zeit in den Hausleitungen befindet. Für die Gesundheitsprüfer die repräsentativere Probe, die sich auch für den Nutzer einstellt. Mit Spezialgeräten wird der ph-Wert und die Leitfähigkeit geprüft. Mit letzterem kann man unter anderem feststellen, ob die Leitung aus dem Landes- oder der Bodenseewasserversorgung gespeist wird. Denn Stuttgart ist zweigeteilt. „Das Wasser der Landeswasserversorgung stammt aus Donauried, das Karstwasser von der Schwäbischen Alb ist etwas härter“ klärt der Experte auf.

Fürs erste ist die Arbeit in der Heidelbeerstraße getan. Zu Fuß geht es weiter zur zweiten Station, der Kita in der Uhlbacher Straße. Auch hier zunächst das gleiche Prozedere. Nach der ersten Probe geht es dann weiter in den Keller, um die technischen Einrichtungen zu überprüfen. Der Warmwasserspoiler wird auf Herz und Nieren geprüft, die Wasserleitungen nach Schäden abgesucht. „Das schlimmste sind Totleitungen“, sagt Schmied. In nicht mehr gebrauchten Rohren, in denen das Wasser steht, können sich sehr schnell Keime bilden. In neueren Einrichtungen wie der Kita in der Uhlbacher Straße ist dies nur selten der Fall, zudem die Leitungen optimal beschriftet. Trotzdem stellt sich ein Mangel heraus. Der Warmwasserboiler zeigt lediglich 32 Grad an. Das ist sowohl für Heizung als auch für das Trinkwasser zu wenig. Das Problem ist bei der Hausleitung schon seit einem Tag bekannt, und auch schon gemeldet. Da der Boiler mehr als 80 Liter umfasst, muss auch die Dusche im Behinderten-WC auf Legionellen untersucht werden. Dazu schraubt Schmied die Leitung des Duschkopfs ab und flammt mit einer Lötlampe den Auslauf kurz ab, „um eventuell vorhandene Keime am Gestänge zu töten“. Erst dann füllt er die kleine Plastikflasche ab.

Zirka zwei Wochen benötigt das Labor für die Untersuchung. Erst dann wird sich herausstellen, ob alles in Ordnung ist. Grundsätzlich hat Schmied schon einige Fälle von Legionellen erlebt. Aber in kleinen oder neuen Installationen ist dies selten der Fall. Eine Verunreinigung mit Blei sei hingegen in Stuttgart nicht vorhanden, da im Gegensatz zu anderen Großstädten keine Bleileitungen verwendet werden. „Das hat König Wilhelm bereits im 19. Jahrhundert verboten“, weiß Schmied.

 

Artikel vom 03.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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