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Im Stadtbahn-Cockpit nach Ostfildern

HEUMADEN: Jugendliche bekommen Gefahren an Bahnübergängen spielerisch nähergebracht

 
 
 
Um Kindern und Jugendlichen die Gefahren und Eigenschaften von Stadtbahnen näherzubringen, veranstaltet die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ein Kinderferienprogramm. Am „Abenteuer Stadtbahn“, einer Fahrt im Cockpit, nahmen 13 Schüler im Alter von 12 bis 15 Jahren teil.

Von Sebastian Steegmüller

„Genauso solltet ihr es nicht machen“, sagte SSB-Fahrlehrer Matthias Schneck nur wenige Minuten, nachdem er den Betriebshof in Möhringen mit 13 Jugendlichen verlassen hatte. Gerade als er mit seiner Stadtbahn aus der Haltestelle Sonnenberg anfahren wollte, sprang eine ältere Dame noch schnell über die Gleise. Trotz Blinklicht und Klingelzeichen. „Nehmt euch auf keinen Fall die Erwachsenen als Vorbild.“ Auch den „coolen“ älteren Jugendlichen solle man nicht einfach nach laufen. „Die Stadtbahn ist so lang wie neun schnittige Sportwagen und wiegt so viel wie 50 Autos.“ Der Bremsweg des „Detes“, so lautet der Spitzname des 56 Tonnen schweren Doppeltriebwagens, ist bei 50 Stundenkilometern fast zwei Mal so lange wie bei einem Auto - statt 27 sind es 50 Meter. „Stellt euch 20 Elefanten auf Rollschuhen vor“, erklärte Schneck. Genauso schwer sei die Stadtbahn zu bremsen. Um dies zu unterstreichen, hieß es vor der Haltestelle Waldau festhalten. „Ich beschleunige auf 70 Stundenkilometer und leite eine so genannte Gefahrenbremsung ein“, gab der Ausbilder durchs Mikrofon bekannt. Die Vorfreude der Kinder war groß, wurde aber voll und ganz bestätigt: Unter heftigem Ruckeln kam der Koloss kurze Zeit später zum Stehen. Vor der Stadtbahn staubte es, die Luft roch nach zermahlenem Quarzsand. „Den streut es bei einer Vollbremsung automatisch auf die Schienen. Bei den Stadtbahnen bremst Metall auf Metall. Die Räder können nicht wie beim Auto Haftung mit dem Asphalt aufbauen.“ Eine zweite Bremsung im Schritttempo verdeutlichte, dass auch bei niedrigen Geschwindigkeiten die Stadtbahnen nicht zu unterschätzen sind. „Zum einen muss man sich im Zug gut festhalten, zum anderen auch an Haltestellen die Augen offen halten. Gerade an Bahnübergängen muss man als Fußgänger oder auf dem Fahrrad besonders aufpassen.“ Eine grüne Ampel vor dem Überweg bedeute nicht, dass man automatisch auch über die Gleise gehen könne. „Man darf sich keinesfalls auf die Signalanlagen verlassen. Auch die so genannten Springlichter könnten defekt sein.“ Den Worten im Schulungszentrum und in der Stadtbahn folgte an der Haltestelle Heumaden, dem Wendepunkt des Aufluges, eine kurze Demonstration. „Wichtig ist vor dem Schritt auf die Gleise der Blick nach links, nach rechts und erneut nach links“, erklärt der Ausbilder am Übergang. „Die Geschwindigkeit einer Stadtbahn ist schwer einzuschätzen. Auf keinen Fall sollte man in Eile noch schnell vor der Bahn über die Gleise rennen.“ Aber auch hinter einem Zug lauern Gefahren, denn oftmals werde der Gegenverkehr auf dem dahinterliegenden Gleis nicht beachtet.

Abgerundet wurde das „Abenteuer Stadtbahn“ mit einer Führung durch den Betriebshof. In der Werkstatt durften die Jugendlichen unter einem aufgebockten 56 Tonnen schweren „Dete“ durchlaufen, die Befüllung der Sandvorräte unter die Lupe nehmen. Zudem verfolgten sie die Reinigung einer Stadtbahn in einer riesigen Waschanlage.

 

Artikel vom 02.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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