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Neuen Wehrverschluss millimetergenau eingebaut

UNTERTüRKHEIM: Schwimmkran passt 55 Tonnen schwere Stahlkonstruktion zwischen zwei Brückenpfeilern ein

 
 
 
Etliche Neugierige, Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und Bauarbeiter erlebten gestern einen vierstündigen Krimi. Im Rahmen der Modernisierung des Untertürkheimer Wehrs bauten Experten einen neuen Wehrverschluss ein. Millimeterarbeit. Mit Hilfe eines Schwimmkrans wurde die 50 Tonnen schwere Stahlkonstruktion ins Wehr eingefädelt.

Von Mathias Kuhn

Die Vorboten des spannenden Einbaus waren bereits in den Nachtstunden eingetroffen: ein spezieller Schwerlastwagen mit einer 50 Tonnen schweren und mehr als 18 Meter langen Stahlkonstruktion. „Dieser Wehrverschluss wurde speziell für das Untertürkheimer Neckarwehr in der Rosslauer Schiffswerft angefertigt“, berichtet Projektleiter Andreas Rathgeb. Im Auftrage des Amts für Neckarausbau ist er für die Sanierung des 80 Jahre alten Wehrs zwischen Untertürkheim und Wangen verantwortlich. Von Ende 2007 bis Mitte 2012 werden vier Wehrfelder modernisiert. Dies beinhaltet die Ertüchtigung des Bauwerks, den Tausch der veralteten Technik gegen ein zeitgemäßes System sowie den Umbau der Wehrpfeiler. Insgesamt investieren Bund und Land 18 Millionen Euro in die Sanierung der Untertürkheimer Staustufe.

Der Einbau des zweiten Wehrverschlusses bedeutet auch Halbzeit. Allerdings müssen dazu nochmals alle Kräfte gebündelt werden. Gegen 10 Uhr beginnt der Kraftakt. Die 50 Tonnen schwere Spezialanfertigung der Rosslauer Schiffswerft muss zunächst vom Sattelschlepper auf die Straße „Zum Ölhafen“ gehievt werden. Dafür liegt „Grizzly“ bereits oberhalb der Schleuse im Neckar. Der Schwimmkran kann Lasten bis 200 Tonnen heben und über kurze Strecken transportieren. Kurz vor 11 Uhr liftet er den Verschluss vom Tieflader und setzt ihn mühelos auf der Straße ab. Anschließend muss der 50 Tonnen-Koloss gekippt und in die richtige Einbauposition gebracht werden. Ein kniffliger Akt. Ganz vorsichtig neigt sich die Last, verliert kurz das „Gleichgewicht“, doch bevor eine Seite auf die Straße zu kippen droht, zieht der Kranfahrer die Seile in die Höhe und verhindert größere Schäden. Aufatmen bei der Crew.

11.45 Uhr: Vorbereitung für den Transport übers Wasser und Einbau. Einige überdimensionale Rollen, die beim Einpassen anecken würden, werden entfernt, nochmals die Zugseile von „Grizzly“ neu befestigt. Um 12.45 Uhr geht‘s los. Als ob er nur eine Obstkiste übers Wasser tragen müsste, hebt der Schwimmkran die 50 Tonnen von der Straße zum zweiten Wehrfeld. Ob die Konstruktion - wie ein Schlüssel ins Schloss - in die Aussparungen der beiden Wehrpfeiler passt? Maßarbeit ist gefragt. Minutenlang schwebt der Verschluss drohend über den beiden Pfeilern. Dann lässt der Kranführer ihn Millimeter um Millimeter ins „Loch“ gleiten. Mehrfach muss er stoppen, weil ein Teil des Verschlusses am Bauwerk anzuecken droht. Nochmal wird der 50-Tonner ausgerichtet, von Mitarbeitern etwas verschoben. Die Zuschauer halten den Atem an. Oft passt gerade ein Papiertaschentuch zwischen Bauwerk und Verschluss. „Grizzlys“ Arm senkt sich minimal. Gegen 14 Uhr sitzt der Verschluss an der gewünschten Position. „Bis Ende des Jahres werden noch die Rollen, Antriebe, die Elektronik und Steuerung eingebaut. Danach folgen Dichtigkeitsproben und Tests unter Realbedingung. Erst, wenn der Verschluss alles bestanden hat, geht er in Betrieb“, sagt Rathgeb. Bis Herbst 2012 wird „Grizzly“ noch zwei Mal sein Können beweisen. Die Verschlüsse des dritten und vierten Wehrfeldes müssen noch eingepasst werden. Bei aller Routine eine spannende Angelegenheit.

 

Artikel vom 02.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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