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GANZ PERSöNLICH DER ENTSPANNUNGSTAG VON REDAKTIONSLEITER ULI NAGEL

Vom Bügeltisch in die Strandliege

Hausarbeit bietet genauso Erholung vom Berufsstress wie ein Spaziergang am Max-Eyth-See

 
 
 

Da ich kein Morgenmuffel bin, habe ich auch keinerlei Probleme, an meinem freien Tag früh aus den Federn zu kriechen. Für mich gilt schon seit Jahren „Morgenstund hat Gold im Mund“ - oder eine Zigarette auf dem Balkon mit Blick ins Grüne; natürlich erst, nachdem ich ausgiebig gefrühstückt und die Zeitung gelesen haben. Das sind jedoch schon die einzigen nennenswerten Rituale, die ich mir an meinem freien Tag auferlege. Ansonsten gilt: Es ist alles erlaubt, was zum Abschalten und Entspannen dient. Dazu gehört im Hause Nagel - liebe Männer aufgepasst - auch das Hemdenbügeln. Ich habe keinerlei Probleme damit, zwei oder drei Stunden mit dieser Tätigkeit zu verbringen. Es sorgt bei mir weder für Verspannung im Rücken und schon gar nicht im Gemüt. Im Gegenteil, ich nütze die Gelegenheit und höre mir auf meinem 30 Jahre alten Plattenspieler dazu alte Scheiben aus meiner Sturm- und Drangzeit an. Neue Deutsche Welle zum Beispiel, aber nicht den Mist, der heute zu diesem Thema im Radio gespielt wird. Oder kennen Sie etwa noch Palais Schaumburg?Nach dem Bügeln ist vor dem Bügeln - also noch einen Korb Schmutzwäsche durch die Maschine jagen, dann heißt es kurz der Länge nach auf der Couch relaxen und darüber nachdenken, was ich heute noch so anstellen könnte. Shoppen? Keine Lust. Was habe ich denn schon lange nicht mehr in meinem geliebten Stuttgart gemacht? Obwohl ich seit fast fünf Jahrzehnten hier wohne und deshalb glaube, mein Revier sehr gut zu kennen, gibt es doch tatsächlich Flecken, die ich noch nie gesehen habe. So zum Beispiel die Karlshöhe, wo ich vor wenigen Wochen an einem freien Tag mein erstes Schorle bei einem herrlichen Blick über Stuttgart genießen durfte. Wie wär‘s mit dem Max-Eyth-See? Eigentlich für einen langjährigen Lokaljournalisten nichts Neues, doch wann setzte sich Uli Nagel eigentlich zuletzt ans Steuer eines Tretbootes? Das liegt schon Jahrzehnte zurück und endete - im jugendlichen Leichtsinn - mit dem Versenken des Bootes. Oder Rudern? Das letzte Mal, als ich mich in die Riemen gelegt hatte, war an Mamas 70. Geburtstag am Tegernsee und sorgte für einen fürchterlichen Muskelkater am nächsten Tag.Kurz entschlossen fahre ich Richtung Hofen, wo ich ohne Probleme einen Parkplatz finde. Denn viel los ist ja nicht unter der Woche an Stuttgarts größtem Gewässer. Das ist mir allerdings gerade recht, da ich mich eigentlich nicht gerne unters Freizeitvolk mische. Zudem: Der See ist erst ohne Trubel ein wahres Idyll. Nur wenige Jogger und Spaziergänger, keine nervösen Graugänse und vor allem keine Grillgerüche. Ich drehe eine Runde um den See und genieße den freien Tag in vollen Zügen. Ich denke kurz an meine Kollegen, die gerade vor dem Computer sitzen und ihre Geschichten schreiben und versuche, einmal nicht über Stuttgart 21 nachzudenken. Der herrliche Blick über die Weinberge in Richtung Freiberg bringen mich schnell auf andere Gedanken: Stuttgart ist schon eine lebenswerte Großstadt.Nach dem Spaziergang habe ich keine große Lust mehr, ein Boot zu mieten und lümmle mich stattdessen in einen der Liegestühle am Sandstrand. Jetzt ist es fast schon an der Zeit, über das Abendessen nachzudenken. Was soll ich der lieben Frau servieren? Thai, etwas Italienisches? Ich wähle fernöstlich und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Gerade noch rechtzeitig, bevor der große Feierabendrummel an den Kassen losgeht. Wieder zuhause gilt es Gemüse und Gewürze schnippeln, Fleisch marinieren und den Reis aufsetzen. Wer schon einmal Thai gekocht hat, weiß: das dauert. Doch wie gesagt, ich habe ja meine Plattensammlung mit der gute alten Neuen Deutschen Welle. Was mir beim Kochen jedoch wieder einmal durch den Kopf geht: Du kannst an deinem freien Tag planen, was du willst, umsetzen tust du es meistens nicht. Aber egal - hauptsache es war ein entspannter Tag.

Sie kennen das: Man ist in seinem Beruf gefordert, oft über das normale Maß hinaus, hat kaum Möglichkeiten der Entspannung und Erholung. Umso mehr freut man sich über einen freien Tag, um einfach ein bisschen Abstand zu gewinnen, die Akkus wieder aufzuladen. Wie entspannen unsere Redakteure, angefangen vom Geschäftsführer bis zum Volontär, wie lenken sie sich ab vom Stress und der Hektik des Berufsalltags. Sie erzählen dies ganz persönlich und vielleicht finden Sie als Leser durch unsere Serie die ein oder andere Anregung. Heute der persönliche Entspannungstag von Redaktionsleiter Uli Nagel.

 

Artikel vom 01.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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