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Katzenhilfe verhängt Aufnahmestopp

BAD CANNSTATT: Gründe sind zu viele Tiere und horrende Kosten

(red/uli) - Wie viele Katzen in der Landeshauptstadt leben, weiß keiner. Doch die Flut, die aus den verschiedensten Gründen beim Verein Katzenhilfe landen, nimmt kein Ende. Dort muss man jetzt sogar die Reißleine ziehen. Da alle Pflegestellen belegt sind und die Kosten explodieren, verhängt die Katzenhilfe Stuttgart einen Aufnahmestopp.
„Wir sind mit über hundert Katzen voll bis unters Dach“, stellt Andreas Fechtner, Erster Vorsitzender des Vereins, fest. Selbst die Kapazitäten der kooperierenden Tierärzte, bei denen vorübergehend Tiere untergebracht werden konnten, seien erschöpft. Insgesamt hat der Verein jedoch auch horrende Kosten für Tierarzt und Futter, die sie nicht mehr bewerkstelligen können. „Allein im vergangenen Jahr beliefen die sich auf 230 000 Euro“, so Fechtner. Der Grund für die Steigerung: gegenüber dem Vorjahr musste der Verein 44 Prozent mehr Katzen kastrieren lassen. Zudem betreut die Katzenhilfe täglich rund 400 Streuner an den 20 Futterstellen im Stadtgebiet. Doch die gut 640 Mitglieder sind mittlerweile an die Grenzen des Machbaren gestoßen. „Und die Population herrenloser Katzen im Kreis Stuttgart steigt ständig durch unkontrollierte Vermehrung, was von der Katzenhilfe personell und finanziell nicht mehr aufgefangen werden kann“, so der Vereinsvorsitzende. „Ohne eine Katzenschutzverordnung, die die Kastration und Kennzeichnung aller freilaufenden Katzen vorschreibt, hat die Stadt Stuttgart ein Problem. Eigentlich sind die Kommunen gesetzlich dazu verpflichtet, sich um Fundtiere zu kümmern. Daher verweisen wir nun in Notfällen auf das Ordnungsamt Stuttgart.“ Über die Katzenschutzverordnung in Stuttgart soll im Herbst entschieden werden. Bekanntlich hat sich Bündnis 90/Die Grünen dieses Thema ans Revers geheftet und fordert die Stadt Stuttgart auf, eine entsprechende Verordnung in der Landeshauptstadt einzuführen. Etwas, was in anderen Ländern , aber auch deutschen Städten bereits Usus ist. Jüngsten Meldungen zufolge will Belgien ein groß angelegtes Projekt starten, um bis 2016 alle Katzen zu kastrieren. In Österreich macht man bereits seit 1. Januar 2005 positive Erfahrungen mit der Katzenschutzverordnung. Auch in Deutschland gibt es Vorreiter: In Paderborn wurde die Kastrationspflicht 2008 eingeführt. Tierschutzvereine und überquellende Tierheime in vielen weiteren deutschen Städten, wie zum Beispiel Berlin und Köln, fordern ebenfalls die Verpflichtung der Bürger, Freigängerkatzen kastrieren zu lassen.
 

Artikel vom 31.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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