Akrobatische Glanzleistungen
BAD CANNSTATT: Deutsche Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport
(ede) - „So sehen Sieger aus.“ Die Stadtgarde der Großenritter CG Baunatal konnte es kaum fassen. Ausgelassen kreischten die Mädchen, fielen sich um den Hals, tanzten Polonaise in der Schleyerhalle. Kein Wunder. Soeben wurden sie Deutscher Meister bei den Tanzgarden. Neun Mal waren sie davor auf Platz zwei gelandet.
„Es ist einfach unbeschreiblich“, strahlte Trainerin Simone Kaiser-Dietrich. „Seit zehn Jahren kämpfen wir jetzt um den Titel.“ Neun Mal reichte es nicht nach ganz oben. In der Schleyerhalle klappte es am Wochenende endlich. Fünf Punkte besser als der Titelverteidiger, die Aktivengarde TK Rote Husaren Neuenkirchen, bedeuteten den Titel bei den Tanzgarden Jahrgang 1994 und älter.
Zwei Tage lang wurde die deutschen Titelträger im karnevalistischen Tanzsport gesucht, bei den Tanzpaaren, Tanzgarden, Tanzmariechen, Schautanz jeweils Jugend, Junioren und den Jahrgängen 1994 und älter sowie bei den gemischten Garden ab Jahrgang 1994 und älter. Die Karnevalisten nehmen es ernst und genau. Jeder Teilnehmer musste seinen Tanzpass vorzeigen. Die Aufregung im Aktivenbereich, in den nur noch Betreuer und Trainer zugelassen waren, war groß. Schließlich galt es, die zehn Jurymitglieder zu beeindrucken. Gefordert waren möglichst viele Schwierigkeiten, bei den Garden Spagat, auch eingesprungen, Sprünge jeder Art, Rad, Radwende oder Russenkreisel, bei den Mariechen und Paaren akrobatische Elemente. Alles muss zum Takt und der Dynamik der Musik passen.
Auf der Bühne wurden wahrlich Höchstleistungen geboten: Polkaschritte, Ferse-Spitze-Schritte, Beinschwünge, Drehungen, Pirouetten. Auch die Uniformen werden bewertet. Dabei kommt es unter anderem auf Sauberkeit, korrektes, der Figur angepasstes Tragen an. Das Schminken muss altersgerecht und nicht maskenhaft sein.
Während in der Halle, die am Samstag mit 5000 und am Sonntag mit knapp 7000 Zuschauer gefüllt war, getanzt wurde, konnte man im Umfeld Tanz- und Akrobatikbücher, Bühnen- und Trainingskleidung, Strassapplikationen, Schminkutensilien, Glitter-Spray, falsche Wimpern, Perücken und Haarteile, Fastnachtsstoffe, neue Musik und Workshops auf DVD erwerben. Karnevalsgesellschaften konnten sich über Orden, Abzeichen und Elferratsketten informieren.
Das interessierte die Stadtgarde aus Baunatal nicht mehr. „Jetzt wird erst mal gefeiert“, bestimmte die Trainerin. Drei Mal pro Woche wird das ganze Jahr über trainiert, alle zwei Jahre ein neuer Marschtanz einstudiert - und gestern der Lohn dafür eingefahren.
Auch der Ausrichter, der Landesverband württembergischer Karnevalsvereine (LWK), atmete auf. Die Mühen der vergangenen Jahre haben sich gelohnt. „Wir sind mehr als zufrieden“, strahlte LWK-Präsident Bernd Lipa, der gestern seinen 65. Geburtstag feierte. „In der Halle ist Super-Stimmung.“ Für ihn gab es zudem ein Geburtstagsständchen und viel Beifall.



