MITMENSCHEN DIETER LANGE

„Ich schaffe Lebensqualität“

BAD CANNSTATT: Der 66-jährige Cannstatter begleitet Bewohner des Pflegezentrums beim Evangelischen Verein

 

Dieter Lange mit Bewohnerin Hermine Gauger im Evangelischen Verein. Die 86-Jährige freut sich über seine Hilfe.Foto: Frey
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Dieter Lange mit Bewohnerin Hermine Gauger im Evangelischen Verein. Die 86-Jährige freut sich über seine Hilfe.Foto: Frey

 

Dieter Lange ist seit eineinhalb Jahren beim Evangelischen Verein ehrenamtlich engagiert. Er begleitet dort regelmäßig Bewohner, macht mit ihnen Spaziergänge, liest vor und unterhält sich mit ihnen - und das mehrmals in der Woche.

Von Iris Frey

Diese Einsätze machen ihm viel Freude, sagt der 66-jährige Pensionär, der seit 20 Jahren in Bad Cannstatt wohnt. Zu seinen Schützlingen zählt Hermine Gauger. Die 86-Jährige sitzt seit mehreren Jahren im Rollstuhl und freut sich über Langes Hilfe: Durch ihn kommt sie auf die Straße und auch in die Kirche. Die Kirche und der Glaube verbindet beide. Lange, der 32 Jahre lang als Berufssoldat tätig war, hat vor zweieinhalb Jahren die Entscheidung getroffen, den Glauben in die Praxis umzusetzen. Die Einsätze beim Evangelischen Verein helfen ihm dabei. „Ich habe, seit ich die Betreuung übernommen habe, ein viel zufriedeneres Gefühl“, sagt Lange. Er weiß, dass es eine sinnvolle Tätigkeit ist, die anerkannt wird. Und was von den Bewohnern zurückkomme, freut ihn. Für ihn ist das christliche Prinzip des Dienens wichtig, die Hilfe für den Nächsten. Lange ist in Königsberg in Ostpreußen geboren und wurde nach der Schule Zeitsoldat, später Berufssoldat. Angefangen hat er die berufliche Laufbahn in Pinneberg in einer Ausbildungskompanie, dann war er in Köln, auf der US-Airbase in Ramstein und in der Nähe von Trier in der Fernmeldestation. Er ist Fachmann in der Telekommunikation. Die letzten Berufsjahre verbrachte er in Stuttgart beim Wehrbereichskommando für Fernmeldenetze und war für die Verwaltung und Finanzierung zuständig.So wie er sich im Beruf um die Kommunikation kümmerte, macht er es auch jetzt bei der Betreuung. Zudem ist Lange ehrenamtlich für das Medienpfarramt der Evangelischen Kirche in Stuttgart tätig und bereitet für das Internet die Gottesdiensttermine für den Kirchenkreis auf. Er bekommt die Meldungen der vier Dekanatsämter und nimmt sie auf.Zudem ist Lange bei der Flughafenseelsorge engagiert, etwa drei bis vier Mal im Monat ist er dort mit Hauptamtlichen im Einsatz. Derzeit nimmt er an einem Seelsorgekurs teil, um zu lernen, mit den Bewohnern entsprechende Gespräche führen zu können. Mit dem Schwerpunkt in organisatorischen Dingen ist Lange auch bei der Aktion „Kirche offen“ beteiligt, die Menschen die Tür zur Stadtkirche öffnet.Auch Langes Frau Maritta ist ehrenamtlich im Pflegeheim des Evangelischen Vereins engagiert und weiß, was notwendig ist und wo die Probleme liegen. Lange bezeichnet sich als „Überflieger“, Menschen, die parallel zu den hauptamtlichen Pflegekräften helfen. Er hofft, dass sich noch mehr angesprochen fühlen. Er setzt sich bewusst mit der Frage des Alters auseinander und wünscht sich: „Dass ich im Alter auch jemanden habe, der mir so hilft.“ Er weiß, dass nicht immer die Familie vor Ort sein kann, sieht es auch bei seinen Schützlingen, die er betreut. Gauger etwa hat nur noch Neffen und Nichten, sonst keine Angehörigen mehr. Lange spricht sich für Pflegeheime aus, nur müsse sich die Politik ernsthaft Gedanken machen, ob die personelle Ausstattung das bietet, was notwendig wäre. Er kritisiert, die alte Generation habe nicht den Stellenwert in der Politik, der ihr gebührt.Der 66-Jährige erinnert sich noch gut an den Beginn der ehrenamtlichen Arbeit, als Pfarrer Florian Link ihn angesprochen habe, ob er nicht ins Pflegeheim Brunnenstraße gehen will. Anfangs sei er skeptisch gewesen, dann habe er festgestellt, dass es sinnvoll ist. „Ich schaffe Lebensqualität“, hofft Lange auf weitere Mitstreiter. Seine Schützlinge sieht er aus dem christlichen Sinne als glückliche Fügung. Und nicht immer wollen die Bewohner tiefschürfende Gespräche. Manchen reicht auch die Fahrt im Rollstuhl ins Grüne und der abschließende Besuch in einem Lokal. Wer ehrenamtlich Tätige kennt, meldet sich bei Sigfried Baumann, Telefon 95568-20 oder bei Iris Frey, Telefon 95568-25 oder schreibt an die Cannstatter Zeitung, Wilhelmstraße 18 bis 20, 70372 Stuttgart.

 

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Artikel vom 15.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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