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NEUES AUS DER WILHELMA

Fleißige Faultier-Mama

BAD CANNSTATT: Sechster Nachwuchs der Zweifingerfaultiere

  Marlies und ihr Nachwuchs: Da kleine Faultiere stets bäuchlings auf ihren Müttern liegen, tragen sie den „Scheitel“, noch auf dem Rücken.Foto: Wilhelma
 

Marlies und ihr Nachwuchs: Da kleine Faultiere stets bäuchlings auf ihren Müttern liegen, tragen sie den „Scheitel“, noch auf dem Rücken. Foto: Wilhelma

 

(red) - Faultiere sind faul? Im Fall von Mike und vor allem Marlies kann man das nicht behaupten, jedenfalls nicht in puncto Nachwuchs. Fast jedes Jahr schenken die beiden Zweifingerfaultiere der Wilhelma ein Junges, das mittlerweile sechste des Paares wurde am 22. Februar geboren - und schiebt seither eine ruhige Kugel auf Mutter Marlies’ Bauch.

Eigentlich ist Marlies selten allein. Denn seit sie 2001 aus British-Guyana in die Wilhelma kam, haben sie und Faultiermann Mike - er traf bereits 1994 als einjährige Handaufzucht aus Zürich in Stuttgart ein - nahezu jedes Jahr für Nachwuchs gesorgt. Jeweils ein rundes Dreivierteljahr lang gehört Marlieschens Bauch dann ganz dem Kleinen, das ihr wie eine Klette im Bauchfell klebt und sich gemütlich umhertragen lässt.

Doch die Faultierfrau trägt’s mit arttypischer Gelassenheit. Ebenso, dass sie allein erziehende Mutter ist, weil sich bei den einzelgängerisch lebenden Faultieren die Männer für die Weibchen nur zur Paarungszeit und für ihren Nachwuchs gar nicht interessieren. Ob der Neuankömmling im Kleinsäugerhaus ein Junge oder Mädchen ist, lässt sich wie immer bei den Faultieren schwer feststellen, er bleibt daher vorerst namenlos.

Auch wenn es im Alltag von Faultieren - ob in der Wilhelma oder in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas - selten hektisch zugeht: Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern Methode. Wer sich vor allem von Blättern, Blüten und Knospen ernährt, muss eben schauen, wie er die wenigen Nährstoffe aus den schwer verdaulichen Zellulose-Snacks optimal nutzt. Sprich, regelmäßige Verdauungsschläfchen und ein konsequentes Energiesparprogramm sind unerlässlich, rund 16 Stunden Siesta pro Tag sind keine Seltenheit.

Im Urwald hat das Zeitlupentempo aber noch einen weiteren Vorteil: Da Greifvögel vor allem schnelle Bewegungen wahrnehmen, übersehen sie die trödelnden Faultiere im Blattwerk leicht. Zumal diese einen Tarnumhang tragen, bestehend aus grünen Algen, die sich im immerfeuchten Fell ansiedeln. Der entschleunigte Lebensrhythmus der Faultiere spiegelt sich zudem in ihrer geringen, absenkbaren Körpertemperatur wider, die eher an Reptilien erinnert, sowie in einer der niedrigsten Stoffwechselraten im Säugetierreich: Nur etwa alle acht Tage steigen Faultiere vom Baum, um ihre Geschäfte zu erledigen. Heimisch fühlen sie sich auf dem Boden allerdings nicht. Denn mit ihren langen Gliedmaßen und kräftigen, hakenartigen Klauen finden sie zwar an jedem Ast Halt, am Boden aber kommen sie damit nur mühsam vorwärts. Selbst im Wasser geht es da flotter, denn Faultiere sind recht gute Schwimmer.

Urwaldflüsse durchschwimmen wird das kleine Wilhelma-Faultier wohl nie in seinem Leben. Dafür kann es aber auch die nächsten Monate ein sicheres, beschauliches Dasein im „Hotel Mama“ führen, wachsen, gedeihen und dann schließlich in einen anderen Zoo umziehen. Dann hat die fleißige Faultier-Mama Marlies wieder ein paar Monate lang ihre Ruhe - bis die nächste kleine „Klette“ den Logenplatz auf ihrem Bauch beanspruchen wird.

 

Artikel vom 13.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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