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Altstadt soll schöner werden

BAD CANNSTATT: Verwaltung schlägt für Marktplatz, Fußgängerzone und Badstraße eine Prioritätenliste vor

 
 
 
Umgestaltung der Badstraße, autofreier Marktplatz, neue Beläge in der Fußgängerzone - die historische Altstadt Bad Cannstatt soll schöner werden. Für einen Gestaltungswettbewerb gab‘s vom Gemeinderat jedoch kein Geld. Und auch die Verwaltung sieht momentan keinen zwingenden Handlungsbedarf. Sinn mache dagegen ein Runder Tisch, bei dem eine Prioritätenliste für die Altstadt erstellt werden könnte.

Von Uli Nagel

Es gibt sicherlich schlechtere Ecken in der Landeshauptstadt als die historische Altstadt von Bad Cannstatt. Dennoch ist hier in den vergangenen Jahren vor allem unter dem Einzelhandel einiger Unmut entstanden. Denn insbesondere die Möblierung (Mülleimer, Bänke, Beleuchtung) und der Belag der Fußgängerzone sind in die Tage gekommen und wirken verstaubt. Die Forderung nach einer Umgestaltung blieb bisher ungehört. Als dann auch noch der jahrzehntelange Kampf für eine trassenfreie Badstraße mit einer Niederlage endete, war guter Rat teuer. „Wir hoffen jedoch, dass die Badstraße dennoch umgestaltet wird“, sagt Andrew Readwin, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV).

In diesem Zusammenhang möchte er die Verwaltung, aber auch die Verantwortlichen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an das Versprecher erinnern, dass eine Badstraße auch mit der U 13 verschönert werden kann. Und immerhin hatte die SSB im Zuge dieser Debatte das Architekturbüro Zoll beauftragt, sich darüber Gedanken zu machen. Grünflächen rund um den Hochbunker, mehr Parkplätze, neue Straßen- und Gehwegbeläge - unterm Strich würde eine „neue Pforten zur Altstadt“ - die Pläne wurde im Bezirksbeirat vorgestellt - mindestens 2,5 Millionen Euro kosten.

„Diese Pläne sind zur Zeit nicht finanzierbar“, sagt Stephan Oehler vom Stadtplanungsamt, was jedoch nicht heißt, dass sie in den Reißwolf wandern. „Die SSB wird den Bereich rund um den Hochbahnsteig noch in diesem Jahr gestalten - das ist schon einmal ein Anfang“, so Oehler. Wann und in welcher Form die restliche Badstraße umgestaltet und wie von Peter Mielert, Bezirksbeiratssprecher der Grünen, gefordert vom Schleichverkehr befreit werden kann, könne durchaus in absehbarer Zeit thematisiert werden. Oehler hält jedoch nichts von Einzelmaßnahmen und schlägt einen Runden Tisch für die gesamte Altstadt vor, an dem eine städtebauliche Prioritätenliste erstellt wird. Denn nur die Badstraße aufzuwerten, mache wenig Sinn.

Nur ein neuer Belag ist sinnlos

„Allein nur den Belag der Marktstraße zu erneuern und einige Lampen auszutauschen greift zu kurz - zumal hier die städtebauliche Substanz in Ordnung ist.“ Allerdings gibt Oehler zu, dass in einigen Bereichen die Altstadt schon reichlich „abgenutzt“ wirke. Zum Beispiel die Beleuchtung, die fast 30 Jahre auf dem Buckel hat. Der Stadtplaner hält es für wichtig, einmal alle Fakten - dazu gehören auch Branchenmix und geschäftliche Nutzung - zu sammeln und dann zu betrachten. Erst dann könne man sehen, wo die Hebel anzusetzen sind und wo es vor allem Sinn macht.

Als Beispiel nennt der Stadtplaner den Marktplatz: „Es wäre verkehrsrechtlich und mittelfristig einfach, ihn autofrei zu machen.“ Doch dann? „Das Thema Gestaltung ist beim Marktplatz entscheidend“, so Oehler und verweist auf einige Gebäudefassaden mit ihrem fragwürdigen Hinterhof-Charakter. Denn für einen erlebbaren Marktplatz muss auch das Ambiente stimmen. In diesem für die Altstadt wichtigen Punkt gibt sich Bezirksvorsteher Thomas Jakob optimistisch. Bekanntlich wird in diesem Jahr mit der Sanierung seines Rathauses begonnen. Cannstatts Schultes hegt die große Hoffnung, dass ein umgebautes und verschönertes Rathaus quasi eine Initialzündung am Marktplatz darstellen könne. Ideen dazu gab es schon einige. Ein Entwurf des Architekten Helmut Siegloch liegt sogar Baubürgermeister Matthias Hahn vor - allerdings bisher ohne Resonanz.

Eines wird für Bad Cannstatt ebenfalls wichtig werden: Die Rahmenbedingungen. Gelingt es beispielsweise nach der Bebauung des Güterbahnhof-Areals die dortigen Bewohner in die Altstadt zu locken? Was passiert mit der Seelbergstraße respektive der Achse Altstadt/Cannstatter Carré? Bleibt der Kaufhof in der Badstraße und kann dort für die benachbarte Brachfläche ein Investor samt attraktiven Bebauungs- und Nutzungskonzept gefunden werden? GHV und Wirtschaftsförderung träumen zumindest einmal von einem Elektro-Großmarkt.

Keine Frage, das ehemalige Möbel-Stahl-Gelände wie auch der Marktplatz werden ganz wichtige Themen bei der Stadtplanung. Wer weiß, vielleicht wäre die Ausweisung der Altstadt zum Sanierungsgebiet eine Lösung. Denn dann würden Zuschüsse fließen, was wiederum den Hausbesitzern am Marktplatz es beispielsweise leichter machen würde, Geld in die Hand zu nehmen.

 

Artikel vom 13.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (4)

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31.07.2010 18:12 von Stephan Hoffmann

Es war ja auch mal im Gespräch, das die Badstr begrünt und als Fussgängerzoner erweitert werden sollte..? Der hoffentlich nie in die Tat umgesetzten Plan, den Marktplatz "autofrei" zu machen wird ein weiterer Dolchstoss in Herz der Markstr sein, das sollte allen Verantwortlichen klar sein. Eher sollte man den Eigentümer der Geschäftsräume der Marktstr einmal ins Gespräch nehmem, die mit ihrer Verpachtungspolitik einen nicht unwesentlichen Teil zum Abbau der Wohlfühlqualität der Markstr beigetragen haben.

16.03.2010 01:15 von EH

Parkplätze zu verbannen macht wirklich nicht viel Sinn. In der Esslinger Innenstadt gibt es seit einiger Zeit einen Lebenmittelmarkt, der bis 24 Uhr offen und ein umfangreiches Sortiment hat. Aber selbst nach 22 Uhr bekommt man dort in der Gegend selten einen Parktplatz, weil die früher vorhandenen Parktplätze fast alle "weggestaltet" wurden. Ich möchte aber weder die eingekauften Sachen ewig weit tragen müssen noch bei Nacht in die etwas entfernte Tiefgarage fahren (und dann für max. eine halbe Stunde Standzeit den Abendtarif zahlen). Eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel besteht an dieser Stelle auch nicht. Am Bahnhof, wo die Busse halten, gibt es auch einen Lebensmittelmarkt, das ist gut, der hat auch bis 24 Uhr offen, aber der ist kleiner und hat weniger Auswahl.

Da gibt es nun mitten in der Stadt einen Laden, der auch lange offen hat, aber der ist abends relativ leer, weil dort einfach kam Leute so hinkommen und extra hinfahren geht auch nicht. Also sucht man sich zwangsläufig etwas verkehrsgünstigeres außerhalb der Innenstadt.

Mit diesem Konzept - ohne Parkplätze und Eingekauftes weit tragen zu müssen - kann man Läden bedienen, die "leichte" Sachen wie z.B. Kleidung, CDs, Brillen, Schuhe, usw. verkaufen, und man daher den weiteren Weg zum "Flanieren" nutzen kann. Aber alles, was aufgrund der Menge oder der Waren schwer oder groß wird wie Lebensmittel, Elektrogeräte, usw., braucht eine gute Verkehrsanbindung mit kurzen Wegen - mit öffentlichen Verkehrmitteln als auch genügend und günstige Parkplätze. Dabei ist es wohl besser, die Parkplätze verteilt bei den Geschäften zu haben (ggf. mit kleineren Tiefgaragen) als ein großes Parkhaus außerhalb mit weiten Wegen.

15.03.2010 09:14 von C

Ohne Parken auf dem Marktplatz macht das Zentrum keinen Sinn. Bei der Fussball WM hat man sehr schön sehen können wie wenig der Platz angenommen wird. Die belebtesten Cafe´s sind an denen Orten wo Fahrzeuge fahren oder Parkplätze sich in unmittelbarer Umgebung sich befinden. " Sehen und gesehen werden " Z.B in den Biergarten im Kursaalpark ohne Publikumsverkehr und Parkmöglichkeiten verirrt sich kaum jemand hin. Wer die Möbilität auschliesst vertreibt die Kunden. Warum lebt wohl der Max Eyth See an jeden Wochende im Sommer wohl so auf. Parken ist kein Problem und man wird gesehen und kann sehen. Schickt die Stadtplaner die die Innenstädte Totplanen in die Wüste da können sie keinen Schaden anrichten und bindet die Menschen die die Plätze nutzen bzw nutzen wollen mehr in die Planung ein, dann bleibt die Innenstadt am leben.

14.03.2010 08:33 von Siegrun Braun, Stuttgart-Stammheim

Die zentrale Frage ist der Kaufhof. Wenn im Juni das Restaurant geschlossen wird, entfällt ein wichtiger Platz zum Treffen und Ausruhen für viele ältere Leute. Dann entfallen auch die Spontankäufe im Kaufhof und in der Marktstraße und Umgebung. Das Caré ist keine Alternative. Mir ist der Straßenbelag in der Marktstraße egal, außer es wird gepflastert. Wenn dann auch noch Parkplätze auf dem Marktplatz ersatzlos gestrichen werden, fährt man anderswo einkaufen. Das sorgt dann für weniger Belebung anstatt für Anziehung.


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