Altstadt soll schöner werden
BAD CANNSTATT: Verwaltung schlägt für Marktplatz, Fußgängerzone und Badstraße eine Prioritätenliste vor
In diesem Zusammenhang möchte er die Verwaltung, aber auch die Verantwortlichen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an das Versprecher erinnern, dass eine Badstraße auch mit der U 13 verschönert werden kann. Und immerhin hatte die SSB im Zuge dieser Debatte das Architekturbüro Zoll beauftragt, sich darüber Gedanken zu machen. Grünflächen rund um den Hochbunker, mehr Parkplätze, neue Straßen- und Gehwegbeläge - unterm Strich würde eine „neue Pforten zur Altstadt“ - die Pläne wurde im Bezirksbeirat vorgestellt - mindestens 2,5 Millionen Euro kosten.
„Diese Pläne sind zur Zeit nicht finanzierbar“, sagt Stephan Oehler vom Stadtplanungsamt, was jedoch nicht heißt, dass sie in den Reißwolf wandern. „Die SSB wird den Bereich rund um den Hochbahnsteig noch in diesem Jahr gestalten - das ist schon einmal ein Anfang“, so Oehler. Wann und in welcher Form die restliche Badstraße umgestaltet und wie von Peter Mielert, Bezirksbeiratssprecher der Grünen, gefordert vom Schleichverkehr befreit werden kann, könne durchaus in absehbarer Zeit thematisiert werden. Oehler hält jedoch nichts von Einzelmaßnahmen und schlägt einen Runden Tisch für die gesamte Altstadt vor, an dem eine städtebauliche Prioritätenliste erstellt wird. Denn nur die Badstraße aufzuwerten, mache wenig Sinn.
Nur ein neuer Belag ist sinnlos
„Allein nur den Belag der Marktstraße zu erneuern und einige Lampen auszutauschen greift zu kurz - zumal hier die städtebauliche Substanz in Ordnung ist.“ Allerdings gibt Oehler zu, dass in einigen Bereichen die Altstadt schon reichlich „abgenutzt“ wirke. Zum Beispiel die Beleuchtung, die fast 30 Jahre auf dem Buckel hat. Der Stadtplaner hält es für wichtig, einmal alle Fakten - dazu gehören auch Branchenmix und geschäftliche Nutzung - zu sammeln und dann zu betrachten. Erst dann könne man sehen, wo die Hebel anzusetzen sind und wo es vor allem Sinn macht.
Als Beispiel nennt der Stadtplaner den Marktplatz: „Es wäre verkehrsrechtlich und mittelfristig einfach, ihn autofrei zu machen.“ Doch dann? „Das Thema Gestaltung ist beim Marktplatz entscheidend“, so Oehler und verweist auf einige Gebäudefassaden mit ihrem fragwürdigen Hinterhof-Charakter. Denn für einen erlebbaren Marktplatz muss auch das Ambiente stimmen. In diesem für die Altstadt wichtigen Punkt gibt sich Bezirksvorsteher Thomas Jakob optimistisch. Bekanntlich wird in diesem Jahr mit der Sanierung seines Rathauses begonnen. Cannstatts Schultes hegt die große Hoffnung, dass ein umgebautes und verschönertes Rathaus quasi eine Initialzündung am Marktplatz darstellen könne. Ideen dazu gab es schon einige. Ein Entwurf des Architekten Helmut Siegloch liegt sogar Baubürgermeister Matthias Hahn vor - allerdings bisher ohne Resonanz.
Eines wird für Bad Cannstatt ebenfalls wichtig werden: Die Rahmenbedingungen. Gelingt es beispielsweise nach der Bebauung des Güterbahnhof-Areals die dortigen Bewohner in die Altstadt zu locken? Was passiert mit der Seelbergstraße respektive der Achse Altstadt/Cannstatter Carré? Bleibt der Kaufhof in der Badstraße und kann dort für die benachbarte Brachfläche ein Investor samt attraktiven Bebauungs- und Nutzungskonzept gefunden werden? GHV und Wirtschaftsförderung träumen zumindest einmal von einem Elektro-Großmarkt.
Keine Frage, das ehemalige Möbel-Stahl-Gelände wie auch der Marktplatz werden ganz wichtige Themen bei der Stadtplanung. Wer weiß, vielleicht wäre die Ausweisung der Altstadt zum Sanierungsgebiet eine Lösung. Denn dann würden Zuschüsse fließen, was wiederum den Hausbesitzern am Marktplatz es beispielsweise leichter machen würde, Geld in die Hand zu nehmen.



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