SPD fordert Unterrichtsgarantie
BAD CANNSTATT: Neue Kultusministerin Marion Schick setzt das brisante Thema oben auf die Prioritätenliste
(if) - Mit einer kleinen Anfrage hat der SPD-Landtagsabgeordnete Nils Schmid Auskunft von der Landesregierung über Unterrichtsausfall und Krankheitstellvertretungen in der Landeshauptstadt Stuttgart verlangt. Mit der Antwort des ehemaligen Kultusministers Helmut Rau gibt er sich nicht zufrieden. Im Gegenteil. Die SPD fordert eine Unterrichtsgarantie und mehr Krankheitsvertretungslehrer.
Carina Olmhoff, Sprecherin im Kultusministerium, erklärte auf Nachfrage, dass die neue Kultusministerin das Thema Unterrichtsausfall und Krankheitsvertretungen auf die Prioritätenliste ganz oben gesetzt habe und sich darum kümmern will. Zu Maßnahmen könne sie noch nichts sagen. Die SPD-Fraktion wird eigenen Angaben zufolge immer wieder von betroffenen Eltern und Lehrerinnen und Lehrern angesprochen, die auf einen dramatischen Stundenausfall an den örtlichen Schulen hinweisen. Der Kreisvorsitzende der SPD und Stuttgarter Stadtrat Andreas Reißig betonte im Hinblick auf die Elternproteste am Wagenburggymnasium vor ein paar Wochen, dass es gut sei, dass sich die Menschen vor Ort zur Wehr gegen die verkorkste Bildungspolitik von CDU und FDP setzen würden. „Nur so können Verbesserungen erzielt werden.“Reißig kritisiert weiter, dass die Landesregierung selbst nicht zu wissen scheine, „wie es in den einzelnen Regionen im Land aussehe“ und ärgert sich entsprechend über die Antwort auf die Anfrage, die keine regionalen Zahlen liefern würden. Auch im Schulbeirat hatten die Zahlen nicht alle Beteiligten kürzlich zufriedengestellt (wir berichteten). Hier hatte die SÖS/Die Linke darauf bestanden, dass sie genaue Zahlen über die Krankheitsvertretungen bekommen.Der Stadtrat verweist auf die vom Kultusministerium vorgelegte Stichprobenerhebung vom November vergangenen Jahres und kritisiert, dass der Unterrichtsausfall an den allgemeinbildenden Schulen des Landes wieder einmal drastisch zunehme. An den Gymnasien, Hauptschulen und Realschulen habe sich die Unterrichtsversorgung im Vergleich zur letzten Erhebung vom November 2008 deutlich verschlechtert. Insgesamt fielen, hochgerechnet auf das ganze Schuljahr, an den öffentlichen, allgemein bildenden Schulen des Landes (ohne berufliche Schulen) mehr als 1,6 Millionen Unterrichtsstunden aus. Im vergangenen Jahr waren es rund 1,4 Millionen. Gymnasien hätten einen prozentualen Unterrichtsausfall von 5,5 Prozent zu verzeichnen, Realschulen müssten 3,8 Prozent Stundenausfall verkraften, bei den Hauptschulen sind es 3,0 Prozent. Die Förderschulen liegen bei 1,4 Prozent, selbst die Grundschulen müssten noch einen Unterrichtsausfall von 1,1 Prozent hinnehmen. „Der drastische Unterrichtsausfall geht zu Lasten der Bildungschancen der jungen Menschen“, so der Kommunalpolitiker. „Das können wir nicht hinnehmen. Solange die Landesregierung diesen Missstand nicht anpackt, bleibt die Bildungspolitik im Land eine große Baustelle.“Die SPD in Stuttgart fordert daher eine Unterrichtsgarantie. Um diese zu erreichen, müsse die Anzahl der Stellen für Krankheitsstellvertreterinnen und Krankheitsstellvertreter deutlich erhöht werden. Dies sei allerdings Landesaufgabe, erklärte Reißig. „Die SPD-Landtagsfraktion hat in den Haushaltsberatungen die Mittel für eine Erhöhung der Krankheitsstellvertreter von derzeit 1266 um 400 auf insgesamt 1650 beantragt.“ Gescheitert sei dies aber wieder einmal an der Blockadehaltung von CDU und FDP, so der SPD-Kreischef.



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