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Zum höchsten Punkt von Württemberg

Eine wahre Naturschönheit: Der Mummelsee - von einem Gletscher geschaffen.
 

Eine wahre Naturschönheit: Der Mummelsee - von einem Gletscher geschaffen.

 

Von Alfred Behr

Diesem Ausflugstipp geht eine Empfehlung voraus: Nehmen Sie vorsichtshalber Regensachen mit. Denn Hornisgrinde, Schliffkopf und Mummelsee sind zwar ein Augenschmaus, aber Regen ist dort oben keine Seltenheit. Die Gegend gehört zu den niederschlagreichsten in ganz Deutschland. Die alten Römer gaben der Hornisgrinde den Namen mons grinto (sumpfiger Kopf). Der althochdeutsche Name Grinde bezeichnet eine weitgehend waldfreie, also kahle Hochfläche.

6000 Jahre altes Hochmoor

Mit einer Höhe von 1164 Metern ist die Hornisgrinde der höchste Berg im Nordschwarzwald. Er liegt im Ortenaukreis und wartet auf seinem zwei Kilometer langen Bergrücken mit einem Hochmoor auf, das fünf Meter mächtig und etwa 6000 Jahre alt ist. Am südöstlichen Rand der Hochfläche steht seit 1722 der Dreifürstenstein, eine Bundsandsteinplatte, welche die damalige Grenze zwischen der Markgrafschaft Baden, dem Herzogtum Württemberg und dem Fürstbistum Straßburg markierte. Heute verläuft dort oben die Grenze zwischen den badischen Gemeinden Sasbach und Seebach sowie der württembergischen Gemeinde Baiersbronn, die, fünf Kilometer nordwestlich von Freudenstadt gelegen, für ihre Spitzengastronomie weithin bekannt ist. Der Dreifürstenstein (1151 Meter) ist der höchste Punkt Württembergs.

Bis zum Jahr 1997 war die südliche Gipfelebene der Hornisgrinde als militärisches Sperrgebiet unzugänglich. Nur noch einige allmählich verfallende Gebäude und Masten erinnern noch daran, dass dort oben einstmals die deutsche und später die französische Luftwaffe, danach Bundeswehr und Nato stationiert waren. Vom 23 Meter hohen Hornisgrindeturm hat man einen schönen Rundblick auf die Schwäbische Alb und die Vogesen.

Mörikes Geister

Unterhalb des Hornisgrindengipfels befindet sich der Mummelsee (1036 m), der zu den meistbesuchten Seen in Baden-Württemberg zählt, obwohl er seiner Größe nach eigentlich nur ein Weiher ist. Da er in einer von einem Gletscher geschaffenen Vertiefung im Berg liegt, ist er über die Bezeichnung Weiher erhaben und darf sich Karsee nennen. Da er nur einen Umfang von 800 Metern hat, ist er in ein paar Minuten zu umrunden. Der See ist 17 Meter tief, Fische gibt es darin nicht. Dazu ist das Wasser, das vom Hochmoor auf der Hornisgrinde kommt, zu sauer und torfig; sein pH-Wert liegt unter fünf, und wer im Physik-Unterricht aufgepasst hat, weiß, was das bedeutet.

Nicht am sauren pH-Wert stören sich die Wassernixen, die sich im Mummelsee tummeln und die schon Grimmelshausen in seinem „Simplicissimus“ erwähnt. Der schwäbische Dichter Eduard Mörike hat ihnen sogar eine Ballade gewidmet, „Die Geister am Mummelsee“, die mit dem unheilschwangeren Satz beginnt: „Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät“. Wer sehen will, wie die besagten Mummelsee-Nixen ausschauen, findet in der Trinkhalle der zwanzig Kilometer entfernten Kur­stadt Baden-Baden ein anschauliches Fresko.

Woher der Mummelsee seinen Namen hat? Vielleicht von den „Mümmlein“, einem Schwarzwälder Synonym für Wassergeister, wahrscheinlicher aber von den weißen Seerosen, die früher dort geblüht haben sollen und die im Volksmund „Mummeln“ heißen.

Lothar und der Schliffkopf

Zusammen mit dem Schliffkopf bildet die Hornisgrinde den Hauptkamm des nördlichen Schwarzwaldes. Sie ist die Wasserscheide zwischen den nach Westen gerichteten Zuflüssen des Rheins (Acher und Rench) und den nach Osten abfließenden Quellbächen der Murg. Der Schliffkopf (1055 Meter) liegt zwischen Baiersbronn, Ottenhöfen und Oppenau an der Schwarzwaldhochstraße. Seit vielen Jahren steht die hochmoorartige Gipfelregion unter Naturschutz, aber daran hat sich ein gewisser Lothar im Jahre 1999 nicht gehalten.

Dieser Lothar war ein Orkantief, das auf dem Schliffkopf besonders heftig wütete. Auf einer zehn Hektar großen Fläche knickte der Orkan Bäume wie Streichhölzer um. Aus der betroffenen Fläche ist mittlerweile ein interessanter Sturmerlebnispfad geworden, vom Volksmund „Lotharpfad“ genannt, auf dem zu sehen ist, was ein Orkan alles anrichten kann und wie sich die Natur allmählich wieder aufrichtet. Stege, Leitern und Treppen erleichtern dabei den Überblick.

Auch Wissenswert

Der Mummelsee liegt direkt an der Schwarzwaldhochstraße. Es gibt dort ein Hotel und Einkaufsmöglichkeiten.

Baiersbronn im Kreis Freudenstadt ist die einzige deutsche Stadt mit sieben Sternen im Michelinführer. Jeweils drei Sterne wurden vergeben an Harald Wohlfahrt im Hotel Traube im Ortsteil Tonbach und Claus-Peter Lumpp im Hotel Bareiss im Ortsteil Mitteltal. Ein Stern ging an Jörg Sackmann vom Restaurant Schlossberg im Ortsteil Schwarzenberg.

Die hier beschriebenen Ausflugsziele sind mit dem Auto über die Bundesstraße Horb - Freudenstadt zu erreichen. Wer über die Autobahn 5 Karlsruhe - Basel fahren will, nimmt die Ausfahrt Achern.

 

Artikel vom 08.06.2012 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (2)

-› Artikel kommentieren

21.06.2012 11:01 von hezi

... ebenso kein Augenschmaus, sondern eine Augenweide!

20.06.2012 10:25 von M.M.

Dass die Hornisgrinde in Württemberg liegt, wäre mir neu... Meines Wissens nach liegt sie im Ortenaukreis im Regierungsbezirk Freiburg, der bekanntlichermaßen in Baden liegt.


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